2008-11-25

„Tierversuchslabors lassen Haustiere stehlen!“

Das ist ein emotional extrem eingängiges Argument: Man stelle sich nur vor, die Katze, der Hund, das über alles geliebte Haustier leidet Höllenqualen, bevor es elendiglich verreckt… Wer würde nicht durchdrehen bei dem Gedanken?

Allerdings macht eine Verwendung von Haustieren für Tierversuche keinen Sinn, denn Tiere werden schon alleine aus methodischen Gründen extra für diesen Zweck gezüchtet, weiters ist die Verwendung von Streunern oder abgegebenen bzw. ausgesetzten Haustieren zumindest in Großbritannien,1 möglicherweise aber EU-weit, verboten (das werde ich bei Gelegenheit noch abklären).

Ein wichtiger Faktor bei wissenschaftlichen Elementen ist das Eliminieren von Störgrößen. Will man zum Beispiel die Eigenschaften einer bestimmten Substanz bestimmen, muss diese Substanz so rein wie möglich vorliegen, weil sonst die Auswirkungen, die mögliche Beimengungen haben, das Messergebnis verfälschen und so weiter. Will man nun die Auswirkung von Hitze messen, muss man darauf achten, dass man nicht in der Sonne arbeitet, da sonst das einfallende Licht das Ergebnis verfälscht, und so weiter, und so fort. Bei einem streunenden Haustier weiß man nichts über Aufzucht, Fütterung, Krankheitsgeschichte… Haustiere sind also für Tierversuche an sich unbrauchbar.

Wie ich im Gespräch mit Tierärzten und Mitarbeitern von Tierheimen erfahren habe, verschwinden Haustiere übrigens meistens deswegen, weil sie draußen zu Tode kommen, oder – von anderen Leuten gefunden und schlicht und ergreifend behalten werden.

…doch selbst, wenn dem nicht so wäre: Welchen praktischen Grund sollten Laboratorien haben, „ihre Häscher auszuschicken, um Haustiere zu fangen“, wenn der wirtschaftliche Aufwand und damit die Kosten, sie von legalen (!) Quellen zu beziehen, wesentlich geringer sind? Abgesehen einmal davon, welches mediale Echo in der Bevölkerung zu erwarten ist, sollte die Sache auffliegen.

Einen seriösen Hinweis selbst auf Einzelfälle der Verwendung von Haustieren in Tierversuchen habe ich bis dato nicht finden können.


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Fußnoten:
1: Quelle: www.pro-test.org.uk