2010-02-24
Der naturalistische Fehlschluss
Der naturalistische Fehlschluss besteht darin, einzig und allein daraus, wie Dinge sind (also von ihrer Natur) abzuleiten, wie Dinge sein sollten.
Moralische Grundsätze können aber nur von moralischen Grundsätzen ausgehend bewertet werden, und nicht alleine durch natürliche Gegebenheiten. Wer das dennoch tut, macht einen Fehlschluss, weil er [„der Natur“] einen bestimmten moralischen Grundsatz unterstellt.
Ein bewusst abstrakt gewähltes Beispiel wäre, daraus, dass verschieden gepolte Magnete einander anziehen, zu folgern, dass man gleich gepolte Magnete nicht zusammenbringen darf; ein klassisches Beispiel aus dem veganen Diskurs wäre, daraus, dass Tiere versuchen, Schmerz zu vermeiden, den moralischen Grundsatz zu unterstellen, dass Tierleid vermieden werden muss – was aber, wenn man Schmerz erzeugen muss (etwa durch Tierversuche), um Schmerz zu verhindern, bzw. wäre es aufgrund dieser Prämisse nicht am sinnvollsten, das Leben an sich als ursächliche Quelle von Schmerz auszurotten…?1
Vereinfacht gesagt besteht dieser Fehlschluss also darin, den Unterschied zwischen naturwissenschaftlichen Fakten und Moralität nicht zu verstehen.
Moralische Werte können sehr wohl anhand von Fakten diskutiert, aber nicht ursächlich aus ihnen abgeleitet werden. „Objektive Bewertungen“ sind nicht möglich.
Nächstes: non causa pro causa – Ursachen erfinden
Vorheriges: Falsches Dilemma
Fußnoten:
1: siehe dazu auch:
Leidensethik
Logische Fehlschlüsse