2009-09-20
der Mensch als Jäger
Immer wieder findet sich auf Veggerl-Internetseiten die Behauptung, der Mensch wäre „von Natur aus“ nicht zum Jäger geeignet. So heißt es etwa auf
vegan.at:
Der Körperbau des Menschen ist auch überhaupt nicht für die Jagd geschaffen. Weder kann der Mensch kurzfristig sehr schnell laufen, noch hat er natürliche Waffen wie Krallen oder scharfe Eckzähne, noch kann er den Mund weit genug aufreissen, um tödlich zubeissen zu können. Vielmehr sind Hände und aufrechter Gang zum Sammeln pflanzlicher Nahrung sehr gut geeignet. Tierliche Nahrung könnte also bestenfalls aus Insekten, Larven, Eiern und vielleicht Kleintieren bestehen, die man ohne Jagd sozusagen einsammeln1 kann.
Diese Meinung trägt allerdings dem Umstand keine Rechnung, dass wir Menschen biologisch sehr wohl an die Jagd angepasst sind. So sind wir zwar in der Tat auf kurze Strecken langsamer als unsere Beutetiere, aber wesentlich ausdauernder und körperlich für Dauerläufe (bei aufrechtem Gang) bestens ausgerüstet: Wir verfügen über Haare auf dem Kopf, um unsere Gehirne vor Sonnenstrahlung zu schützen, sind aber ansonsten mehr oder weniger unbehaart, was eine gute Hitzeabstrahlung ermöglicht und die Effizienz der Kühlung durch Schwitzen massiv steigert. Auf diese Art und Weise können wir unsere Beute stundenlang hetzen, wir Menschen sind also klassische Hetzjäger.
Außerdem verwenden die Spezies der Gattung Homo, die uns moderne Menschen (Homo sapiens) miteinschließt, seit dem Anbeginn – also immer schon bzw. seit mehreren Millionen Jahren – Werkzeuge sowie (seit gut eineinhalb Millionen Jahren) sogar Feuer,2 wir müssen also nicht „tödlich zubeißen können“, weil wir „Speere haben“, und müssen auch nicht unsere Beutetiere mit Zähnen und Klauen zerreißen, weil wir Werkzeuge für diesen Zweck verwenden, und unsere Magensäure braucht nicht in der Lage zu sein, jedweden Keim abzutöten, weil das Rösten im Feuer das erledigt.
Wir Menschen sind das Produkt einer langen Ko-Evolution unserer Körper und unseres Werkzeuggebrauchs.
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Fußnoten:
1: Anmerkung: Ich persönlich bezweifle sehr stark, dass sich der Mensch zum Einsammeln von Früchten eignet, denn ein paar Stunden sammeln in gebückter bzw. gebeugter Haltung – da tut den meisten Leuten der Rücken Weh.
2: Quelle: www.evolution-mensch.de
