2010-03-15
gemeinsame historische Wurzeln
Die Veggerln sehen sich in einer Tradition von Befreiungsbewegungen1 und weisen andere Ansichten entschieden zurück. So findet man Aufsätze um Aufsätze darüber, dass Hitler kein Vegetarier gewesen wäre – was den historischen Tatsachen widerspricht, und (mit der Ausnahme dezidierter Neonazis) keinen Hinweis auf die unbestreitbaren Pionierleistungen der Nazis auf dem Gebiet des Tierschutzes, wie es vor allem das Reichstierschutzgesetz darstellt.
Dennoch weisen Agitation und Propaganda der Veggerln und der „alten Nazis“ eine Vielzahl von Gemeinsamkeiten auf. So betreiben beide eine Form von Tierschutz, dem nicht der Umweltschutz und die Gegnerschaft zu sadistischen Verhaltensweisen zugrundeliegt – sprich: Tierschutz von Menschen für Menschen – sondern sie betreiben ihn emotional geprägt, ohne die Realitäten der Natur dabei in Betracht zu ziehen,2,3,4 und es finden sich auch Antisemitismus5 bzw. allgemein rassistisches Gedankengut,6 Toleranz gegenüber oder direkte Ausübung von Gewalt,7 und eine Heuchelei bei der Thematik der Tierversuche,8 wie sie schon die Nazis betrieben haben.9
Das ergibt manchmal den Eindruck, dass die heutigen Veggerln dem NS-Gedankengut ideologisch näherstehen als den Werten unserer Gesellschaft, deren Fleischkonsum von ihnen – mitunter krampfhaft – ins rechte äußere Eck gestellt werden will,10 was eine Suche nach etwaigen gemeinsamen kulturhistorischen Wurzeln nahelegt.
Die Lebensreform-Bewegung
Fündig wird man bei dieser Suche bei der Lebensreform-Bewegung des Deutschland des ausgehenden 19. Jahrhunderts, welche eine naturnahe Lebensweise, Ökologische Landwirtschaft, Vegetarismus, Reformkleidung und Naturheilverfahren propagierte.11
Diese Bewegung war zwar nicht grundsätzlich völkisch oder rassistisch eingestellt, aber genausowenig das Gegenteil, und in der Tat war ein bedeutender Teil der Vertreter der Lebensreform-Bewegung „völkisch“ gesinnt;12 das Weltbild der völkisch eingestellten Lebensreformer bezieht sich dabei auf dieselben Grundlagen der gesamten Bewegung: Es sieht Urbanisierung und Industrie in ihren Auswirkungen als negativ, und will dem mit einem neuen Weltbild entgegentreten, in welchem der Mensch in Harmonie mit der Natur lebt, was eine dramatische Verschiebung des Verhältnisses zwischen Mensch und Tier in Richtung einer Gleichberechtigung des Menschen mit dem Tier einschließt, eine bedeutende Deckungsgleichheiten zwischen veganer und NS-Ideologie.13
Es nehmen also sowohl NS-Ideologie als auch Tierrechtlertum ihren Ursprung in idealistischen, naturromantischen Weltanschauungen, und nicht in Emanzipationsbewegungen wie der Sklaven- oder Frauengleichberchtigung. Diese entspringen rationalen Notwendigkeiten, die sich aus der „Nichtminderwertigkeit“ von Frauen gegenüber Männern bzw. der Völker untereinander ergeben, die Forderung der Gleichberechtigung von Mensch und Tier im Sinne der Angleichung von Tier- an Menschenrechte hingegen einer romantischen Verklärung der Tierwelt.
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Fußnoten:
1: siehe dazu auch:
„Speziesismus“
2: Die Nazis setzten voraus, dass ihre eigene „Rasse“ anderen überlegen wäre, Tierrechtler eine Gleichwertigkeit von Menschen- und Tierrechten. Beide Ansätze widersprechen der Realität bzw. sind widersinnig.
3: siehe dazu auch:
Das Bambisyndrom
4: siehe dazu auch:
„Tiere sind unschuldiger als Menschen!“
5: siehe dazu auch:
Schächten einst und heute
6: siehe dazu auch:
Peter Singer, Philosoph
7: siehe dazu auch:
Dokumentation des Terrors
8: siehe dazu auch:
2008-11-21, Heuchler? Aber WIR doch nicht!
9: Quelle: miami.uni-muenster.de
10: Quelle: www.nadeshda.org
11: Quelle: de.wikipedia.org
12: Quelle: www.stattweb.de
13: Quelle: www.dradio.de
Tierschutz und NS-Ideologie