2010-04-04

Mahatma Gandhi, Hindu

Mahatma Gandhi, die „große Seele“ Indiens, gilt als der Vorzeigevegetarier schlechthin und mitunter sogar als Stereotyp des guten Menschen, eine Reputation, die er sich durch die Art und Weise, wie er Indien aus der Fremdherrschaft in die Unabhängigkeit führte, verdient hat; so war er ein Pazifist, Sozialreformer (siehe dazu auch Link:www.mkgandhi.org), und sprach sich, diesbezogene überkommenene hinduistische Traditionen kritisch betrachtend, für eine Emanzipation der Frau aus.1

Er war allerdings ebenfalls ein Vertreter einer geradezu rigiden, katholischen Einstellungen nicht unähnlichen Sexualmoral,2 und war durchaus rassistisch eingestellt, bezeichnete er doch dunkelhäutige Menschen als „Kaffern“, sah auf sie als unkultivierte „Wilde“ herab und erachtete sie ganz sicher nicht als gleichwertig zu den hellhäutigen Europäern oder den Mitgliedern der höheren indischen Kasten.3

Gandhi war also ohne jeden Zweifel ein Kind der Brahmanen-Kaste, der höchsten Kaste der Hindu-Gesellschaft, deren gesellschaftliche Tradition das Stellen von Priestern, Weisen und Gelehrten ist, was ja auf Gandhis Biographie selbst voll und ganz zutrifft.

In diesem Zusammenhang ist auch Gandhis Vegetarismus zu sehen: Als Mitglied der Priesterkaste wurde er gemäß den Speisevorschriften seiner Religion erzogen, erachtete sich als anderen überlegen, und legte großen allgemeinen Wert auf einen moralischen Lebenswandel.

All dies schmälert seine Verdienste nicht; es zeigt aber, dass die Formel „gute Menschen sind Vegetarier“ nicht so ohne Weiteres stehengelassen werden darf bzw. eine sehr undifferenzierte Sichtweise auf historisch-gesellschaftliche Tatsachen darstellt.


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Fußnoten:
1, 2: Quelle: www.gandhi-manibhavan.org
3: Quelle: www.thetruthseeker.co.uk