2010-01-10
Christentum
Immer wieder taucht im veganen Diskurs die Behauptung auf, die christliche Bibel würde eine vegetarische oder gar vegane Lebensweise propagieren, sei aber im Nachhinein durch Fleischesser, die diese Botschaft unterdrücken wollten, verfälscht worden. Sie suchen, die Bibel also entsprechend auszulegen.1,2
Die Rückmeldungen, die Redaktionsmitglieder diesbezüglich im Gespräch mit Priestern oder Religionslehrern erhalten haben, waren aber stets Verwunderung oder Amüsement.
Zum einen war Jesus Christus Jude, und hat Pessach gefeiert, und zu Pessach gehört immer das Schlachten eines Lamms, zudem war das Land damals ziemlich karg, ein Verzicht auf Fleisch bzw. den Ertrag aus der Beweidung der für den Feldfruchtbau ungeeigneten Böden3 wäre schon aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht in Frage gekommen.
Beispiele für „vegane“ Auslegung der Bibel gibt es zuhauf, weshalb eines – vielleicht das wichtigste – herausgegriffen werden soll, um die Art der „veganen“ Bibelinterpretation zu verdeutlichen, und handelt es sich dabei um eine Stelle aus Römer, Kapitel 14:4
20 Reiß nicht wegen einer Speise das Werk Gottes nieder!
21 Es ist nicht gut, Fleisch zu essen
Sieht man sich allerdings diese Stellen genauer an, entdeckt man, dass Paulus in seinem Brief an die Römer eindeutig die Meinung vertritt, das Reich Gottes wäre wichtiger als Essgewohnheiten, zudem lauten die betreffenden Verse:
20 Reiß nicht wegen einer Speise das Werk Gottes nieder! Alle Dinge sind rein; schlecht ist es jedoch, wenn ein Mensch durch sein Essen dem Bruder Anstoß gibt.5
21 Es ist nicht gut, Fleisch zu essen oder Wein zu trinken oder sonst etwas zu tun, wenn dein Bruder daran Anstoß nimmt.6
Paulus schrieb diesen Brief in der Frühzeit der christlichen Kommunen, als sich diese aus konvertierten Christen aus verschiedenen Traditionen mit verschiedenen Speisenge- und Verboten zusammengesetzt haben. So ist für Juden etwa Schweinsfleisch tabu, für Armenier etwa Wein („Fleisch zu essen oder Wein zu trinken“), man kann sich leicht ausmalen, dass die Abkömmlinge verschiedener Kulturen und entsprechender Traditionen wegen solchen Dingen leicht in Streit geraten sein werden, weshalb Paulus zu Rücksichtnahme und vor allem dazu mahnt, sich auf den christlichen Glauben zu konzentrieren, und nicht auf Essgewohnheiten, welche – „Alle Dinge sind rein“ – für den Glauben unbedeutend sind.
Um ein Gebot, von Fleischverzehr generell Abstand zu nehmen, handelt es sich nicht.
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Fußnoten:
1: Quelle: www.flipkart.com
2: Quelle: www.berlin-vegan.de
3: siehe dazu auch:
Wie funktioniert Landwirtschaft?
4: Quelle: www.google.com
5: Quelle: www.uibk.ac.at
6: Quelle: www.uibk.ac.at
Religionsverdrehungen