2010-01-09

Auslavieren

Auslavieren ist eher eine rhetorische Methode als ein Fehlschluss im engeren Sinn, und besteht darin, die Konsequenzen davon, wenn ein eigenes Argument bereits widerlegt worden ist, zu ignorieren.

Der logische Fehlschluss ist hier, dass von einer bestimmten Grundlage abgeleitete Aussagen hinfällig werden, wenn sich diese Grundlage als falsch erweist.

Ein gutes Beispiel aus dem veganen Diskurs ist die Behauptung, dass Viehzucht als Methode der Nahrungsmittelerzeugung ineffizient wäre, weil die von den Tieren aufgenommenen „pflanzlichen Kalorien“ zu einem großen Teil von den Tieren selbst für den eigenen Stoffwechsel verbraucht würden, und somit uns Menschen als Nährstoffquelle nicht zur Verfügung stünden. Tatsache ist allerdings, dass vieles bzw. sogar das meiste Pflanzenmaterial (alle grünen Teile der Pflanzen, die Spreu vom Getreide, Ölpresskuchen etc.) aus für den Menschen unverdaulicher Zellulose besteht und dieser an sich unzugängliche Nährwert über das Vieh überhaupt erst nutzbar gemacht wird.

Der Umstand, dass durchaus auch für den Menschen brauchbares Pflanzenmaterial ans Vieh verfüttert wird, ändert nun nichts an dieser Tatsache – Viehhaltung kann prinzipiell nicht ineffizienter als eine auf Viehhaltung verzichtende Landwirtschaft sein,1 womit etwaige aus dieser ursprünglichen Behauptung abgeleitete Aussagen hinfällig sind.

Durch aufmerksames Zuhören und Beharren auf der Klärung der ursprünglichen Frage kann dieser rhetorischen Methode recht leicht begegnet werden.


Nächstes: Falsches Dilemma
Vorheriges: Das Appellieren an den Abscheu


Fußnoten:
1: siehe dazu auch: Wie funktioniert Landwirtschaft?