2010-05-16

die ADA zur veganen Ernährung

Mit enormer Häufigkeit findet man in veganen Webseiten einen Verweis auf einen von der Link:American Dietetic Association, kurz ADA, erstellten Link:Bericht, in dem es (hier in einer autorisierten Übersetzung1 des deutschen Vegetarierbundes) heißt:

Gut geplante vegane und andere Formen der vegetarischen Ernährung sind für alle Phasen des Lebenszyklus geeignet, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, früher und späterer Kindheit und Adoleszenz.

was mitunter als cart blanche bzw. Empfehlung für eine vegane Ernährung aufgefasst wird. Allerdings betont der Bericht ausdrücklich, dass eine „gut geplante“ vegane Ernährung „geeignet“ ist, er spricht nicht davon, dass sie „empfehlenswert“ oder „unproblematisch“ sei.

Nähr- und Vitalstoffproblematiken

Der Bericht spricht auf den Seiten 2-72 die einzelnen Nähr- und Vitalstoffe an, der Bedarf an Proteïn kann erfüllt werden, wenn eine Vielfalt von pflanzlichen Nahrungsmitteln verwendet und der allgemeine Energiebedarf gedeckt wird, der Bericht attestiert, dass das in der Regel allerdings recht unkompliziert ist; bei Eisen wird eine fast doppelt so hohe Zufuhr wie bei Nichtvegetariern empfohlen aufgrund der geringeren Verfügbarkeit von Eisen aus pflanzlichen Quellen, auch die Zufuhr von Zink ist problematisch, Veganer, aber nicht Ovolakto-Vegetarier nehmen zudem weniger Calcium auf als empfohlen, und bei Vitamin B12 stellt der Bericht (auf Seite 7 oben) klar, dass es in pflanzlichen Nahrungsmitteln de facto nicht vorkommt, sofern diese nicht angereichert sind, und dass etwa Algen oder fermentierte Soja-Produkte nur Analoga enthalten, und kein wirksames B12, weshalb es unabdingbar ist, angereicherte Nahrungsmittel, Supplementation oder Ei- bzw. Milchprodukte als Quellen für diesen Vitalstoff heranzuziehen.

Omega-3-Fettsäuren (im Bericht auf Seite 7 rechts oben unter der englischsprachigen Bezeichnung „n-3 fatty acids“ abgehandelt) sind ebenfalls ein kritischer Nähr- bzw. Vitalstoff für Ernährungsweisen, die weder Fisch noch Ei enthalten, der Bericht empfiehlt Vegetariern die bestimmten Nahrungsmitteln zur Supplementation. Interessant ist in diesem Zusammenhang ist auch, dass ein Link:älterer Bericht der ADA diese Problematik vegetarischer Ernährung nicht erwähnt, obwohl auch er ihr das Zeugnis ausstellt, bei entsprechender Planung unproblematisch zu sein.

Die angesprochene autorisierte Übersetzung erwähnt übrigens angereicherte Nahrungsmittel im Abschnitt Link:Nähr- und Vitalstoffe über ein Dutzend Mal und bei mehreren Vitalstoffen.

vegetabile Ernährung in den einzelnen Lebensphasen

Hier lehnt der Bericht für Neugeborene und Kleinkinder nur extrem restriktive Ernährungsweisen wie Rohkost-Veganismus oder frugivore Ernährung ab (Seite 8), empfiehlt aber auch vegetarische Ernährung nicht uneingeschränkt,

Wenn Kinder mit vegetarischer Ernährung Muttermilch in angemessener Menge oder handelsübliche Säuglingsmilchnahrungen erhalten und ihre Ernährung gute Energiequellen und Nährstoffe wie Eisen, Vitamin B12 und Vitamin D enthält, erfolgt ein normales Wachstum im Kleinkindalter.3

und beinhaltet auch eine Reihe weiterer Empfehlungen, wie Vitalstoffmängel zu vermeiden sind und die Ernährung entsprechend supplementiert werden kann.

Bei Schwangeren und Stillenden wird außerdem speziell auf die Gefahr einer Untervorsorgung mit Docosahexaënsäure (DHA) aufmerksam gemacht, einer Fettsäure, deren genaue physiologische Bedeutung noch nicht geklärt ist.

Für Alte schließlich stellt der Bericht fest, dass sie mühelos den Proteïnbedarf decken können, wenn eine Vielfalt an proteïnreichen pflanzlichen Nahrungsmitteln, einschließlich Hülsenfrüchten und Sojaprodukten, täglich verzehrt wird.

Einfluss der Ernährung auf Krankheiten

Für Herz-Kreislauf- und anderen Erkrankungen kommt der Bericht zum Schluss, dass wohl eher der allgemeine Lebenswandel von vegetarisch lebenden Menschen die Ursache für deren allgemein geringeres Risiko für bestimmte Erkrankungen ist (Seite 10), es kann ein positiver Einfluss der vegetarischen Ernährung allein nicht schlüssig festgemacht werden.

Fazit der Redaktion

Die Redaktion von antivegan.at findet keinen Anhaltspunkt dafür, dass der Bericht der ADA eine Empfehlung für eine vegetarische oder gar vegane Ernährung darstellt. Der Tenor des Berichts ist, dass man sich vegetarisch (vegan) ernähren kann, wenn man eine Vielzahl von Hinweisen beachtet, seine Ernährung sehr sorgfältig plant, und gegebenen Falles supplementiert.


Nächstes: rein carnivore menschliche Ernährung
Vorheriges: die Soja-Problematik


Fußnoten:
1: Quelle: www.vebu.de
2: Bezug auf die Seite der PDF-Datei, nicht auf die Seitennummerierung im Bericht
3: Quelle: www.vebu.de